
Sie liegen seit Jahrzehnten im Kölner Erdreich und haben nichts von ihrer Gefährlichkeit verloren: Bomben, die die Alliierten im Zweiten Weltkrieg über der Rheinmetropole abwarfen. Keine andere Stadt in NRW wurde so oft bombardiert wie Köln – insgesamt 262 Mal. Allein bei insgesamt 31 schweren Luftangriffen gingen rund 1,5 Millionen Bomben über dem Stadtgebiet nieder.
Mal liegen sie nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche, mal bis zu acht Meter tief. Einige Bomben verfügen immer noch über intakte Zünder und eine Sprengkraft, die immense Schäden anrichten könnte. Häufig – etwa 20 bis 30 Mal pro Jahr – werden sie bei Bauarbeiten entdeckt. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 31 Weltkriegsbomben, davon zehn Spreng- und elf Brandbomben, sowie eine Mine, Granaten und Munition gefunden.
Fast monatlich rückten Kampfmittel-Experten 2024 aus, um Bomben unschädlich zu machen. 3. April: Zehn-Zentner-Sprengkörper im Bereich des Kennedy-Ufers in Deutz, 13. Mai: Bombe am Autobahnkreuz Heumar, 14. Mai: Fünf-Zentner-Geschoss in Zündorf, 4. Juni: amerikanischer Blindgänger in Westhoven, 27. Juni: Flieger-Bombe in Longerich. Allein zwischen dem 5. und 21. August 2024 gab es gleich viermal Blindgänger-Alarm – in Rodenkirchen, Lindenthal, Porz und im Bereich des Friedhofs Sürther Straße.
Genau genommen waren es exakt 50 Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, die entdeckt wurden. So kam am 24. Februar die Nachricht über zwei britische 250-Kilo-Bomben in Rodenkirchen, wofür 2400 Personen evakuiert werden mussten. Am 3. Juni 2025 wurden in Deutz bei Bauarbeiten auf der Deutzer Werft drei Weltkriegsbomben gefunden – zwei 20 Zentner schwer, eine Bombe hatte zehn Zentner. Danach wurde eine großflächige Evakuierung von über 20 000 Menschen nötig, da der Fundort mitten im Stadtzentrum lag. In Lindenthal machte am 29. Juli eine Fünf-Zentner-Bombe nahe dem Rautenstrauchkanal den Verantwortlichen zu schaffen, die sich rund 4,5 Meter tief in einem Vorgarten befand. Sie wurde erfolgreich entschärft, nachdem etwa 1800 Menschen evakuiert worden waren. Man könnte beinahe denken, Köln sei eine tickende Zeitbombe.
Von den notwendigen 19 Evakuierungen waren im Jahr 2025 insgesamt fast 70 000 Kölner Bürger betroffen. Am längsten dauerte die Evakuierung im Mai 2025 im Bereich Hardefuststraße/Sachsenring in der Neustadt/Süd. Von der Alarmierung bis zum Einsatzende vergingen etwa 16 Stunden. Der Einsatz über Nacht war nötig geworden, weil die amerikanische Sprengbombe durch ein Baustellenfahrzeug bewegt worden war und unverzüglich entschärft werden musste.
Die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes leisteten für die Evakuierungen fast 18 650 Arbeitsstunden, im Durchschnitt waren pro Evakuierung 63 Außendienstkräfte gebunden. Insgesamt kümmerte sich das Ordnungsamt mit seinen Partnern von Feuerwehr, Rettungsdienst und Hilfsorganisationen um 644 Krankentransporte (durchschnittlich 34 Transporte pro Evakuierung). 2580 Personen suchten zur Betreuung die Anlaufstellen auf. Rund 6300 betroffene Anwohner waren über 75 Jahre alt.
Wird ein Blindgänger mit funktionsfähigem Zünder gefunden, bestimmt der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) das Kaliber, die Herkunft und die Art der Zündvorrichtung. Nach dem Kaliber des Blindgängers und der Lage der Bombe am Fundort entscheidet sich, wie viele Meter der Evakuierungsradius betragen muss, um die Umgebung und Bevölkerung zu schützen. Dieser Evakuierungsradius um den Fundort bildet den sogenannten Evakuierungsbereich. Letzteren bestimmen KBD und Einsatzleitung des Ordnungsdienstes gemeinsam.
Für den Kampfmittelräumdienst ist die Arbeit nach der erfolgreichen Entschärfung noch nicht vorbei, denn die Bombe muss fachgerecht entsorgt werden. Das geschieht in den zwei Munitionszerlegungsbetrieben in Nordrhein-Westfalen – in Hünxe im Kreis Wesel und in Ringelstein im Kreis Paderborn. In beide Einrichtungen kommen jährlich rund 100 000 Kilogramm Munition zur Vernichtung. Dafür werden beispielsweise die Zünder von den Kampfmitteln abgetrennt und beide Teile abgebrannt – die Zünder in einem Panzerofen, in dem sie ohne Gefährdung für die Umgebung detonieren können.
Um noch zündfähige Kampfmittel möglichst sicher zu entschärfen, laufen bei einem Bombenfund umfangreiche Schutzmaßnahmen an. Neben Alarmierung der Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung Düsseldorf (KBD) und Bekanntmachung der Öffentlichkeit über die Medien herrscht bei Ordnungshütern Ausnahmezustand. Die Außendienstkräfte sorgen mit Feuerwehr, Polizei und Hilfsdiensten für die Sicherheit in den betroffenen Veedeln.
Sie richten Evakuierungszonen ein und sorgen für die Unterbringung von Anwohnern, die nicht bei Familie oder Freunden bleiben können. Wohnungen, Büros und öffentliche Gebäude innerhalb der abgesperrten Zonen sind zwingend zu verlassen. Häufig sind Alten- und Pflegeheime oder gar Krankenhäuser betroffen. Dann kann die Räumung mehrere Stunden dauern – ebenso, wenn Schaulustige hinzu kommen, die sich durch die Absperrungen in den Sprengbereich mogeln, oder Anwohner, die ihre vier Wände nicht verlassen wollen. Sperrungen von Autobahnen und Kölner Straßen sowie Ausfälle von Linien der Kölner-Verkehrs-Betriebe sind bei einem Bombenfund vorprogrammiert.

…waren allein die Mitarbeiter des Ordnungs…dienstes im vergangenen Jahr im Bomben-Einsatz. Sie organisierten mit Feuerwehr und Hilfsorganisationen fast 200 Krankentransporte, evakuierten tausende Anwohner und betreuten Menschen in den Anlaufstellen. In enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Informationstechnik haben die Fachdienststellen des Ordnungsamtes das 2022 aufgebaute gemeinsame Dashboard mit zugehöriger Datenbank weiterentwickelt, um digital und vernetzt besser Informationen zum Thema „Kampfmittel“ zu sammeln und auszuwerten. Dadurch ist eine bessere Planbarkeit und Übersicht für anstehende Sondierungsmaßnahmen, aber auch Sofortmaßnahmen zu erzielen.
Denn klar ist: Die Bomben aus 2024 und 2025 werden nicht die letzten sein. In Zukunft muss die Bevölkerung mit weiteren Funden rechnen, weil zahlreiche geplante Bauflächen zum Schutz der Allgemeinheit auf Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg überprüft werden müssen. Kampfmittelfunde werden die Stadt Köln und ihre Bevölkerung also auch in den kommenden Jahren beschäftigen.
Die Bombe wurde im Rahmen einer Kampfmittelräumung beim Ausbau der Bonner Straße gefunden. Nachdem über 3000 Anwohner evakuiert worden waren, konnten Stefan Höreth und Christoph Wassenberg den Blindgänger entschärfen. Doppeltes Pech hatten rund 2500 Anwohner des Inneren Grüngürtels. Sie wurden gleich zweimal evakuiert: Beim zweiten Fund an der Vogelsanger Straße dauerte es 14 Stunden bis zur Entwarnung. Weil der Boden kontaminiert war, kamen hier umfangreiche zusätzliche Schutzmaßnahmen zum Einsatz.